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Projekt des Monats September 2008

Lifestyles of European Teenagers

Wie können Jugendliche ihre Werte und Einstellungen gegenüber ihrer eigenen Kultur und anderen Kulturen verstehen und verändern? Mögliche Wege dazu erproben das hessische Gymnasium Oberursel und drei Partnerschulen aus Finnland, Litauen und Slowenien. In ihrem Comenius- und eTwinning-Projekt „Lifestyles of European Teenagers“ nehmen sie die Lebensgewohnheiten, Wünsche und Ängste von 14-jährigen Jugendlichen unter die Lupe und tauschen Dokumente und Meinungen über die eTwinning-Arbeitsumgebung aus.


Erste Schritte in Europa

Das Projekt „Lifestyles of European Teenagers“ ist Kornelia Mollenhauers erstes europäisches Projekt in ihrer über 30jährigen Schullaufbahn. Die Studienrätin und Lehrerin für Englisch, Politik/Wirtschaft und Russisch am Gymnasium Oberursel unterstützt so insbesondere das curriculare Entwicklungsziel, Schüler zur „Toleranz und Interesse für andere Kulturen“ zu erziehen. Im Oberurseler Gymnasium wird dies bereits durch verschiedenste Maßnahmen und Projekte aktiv gefördert. Das kombinierte Comenius- und eTwinning-Projekt ist jedoch das erste europäische Projekt und damit ein bedeutender Schritt auf dem Weg zur Europaschule.

 

Vorurteile abbauen durch Kommunikation auf Augenhöhe

„Meinen europäischen Kollegen und mir ist es wichtig, dass die Jugendlichen auf Augenhöhe miteinander kommunizieren“, sagt Projektleiterin Mollenhauer. „Dazu  tauschen sie sich mit Gleichaltrigen in anderen europäischen Ländern über ihr alltägliches Leben, ihre Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste aus. Wir wollen, dass sie auf diese Weise verschiedenste Lebensstile, Werte und Einstellungen kennen lernen, um Vorurteile abzubauen.“ Damit spricht das Projekt wichtige existenzielle Fragen an und Jugendliche finden hier eine gemeinsame Gesprächsebene.

 

Kennenlernen und verstehen

Dass dieser Schritt ganz wesentlich ist, zeigt sich bei ihren Schülern vor allem gegenüber den östlichen Nachbarn. Partnerland Litauen als ein Land mit 40 Jahren russischer Okkupation hat im Vergleich zu Deutschland einen niedrigeren Lebensstandard und Schüler haben weniger Auslandserfahrungen oder geringere Sprachkenntnisse. „Wir haben bewusst Länder als Partner gewählt, die den meisten Schülern noch unbekannt sind. Denn da sind die Vorurteile wohl am größten.“

 

Stadtführung in Helsinki„Hopes and Fears“ europäischer Jugendlicher im Vergleich

Nachdem die Schüler sich, ihre Schule und ihre Stadt per PowerPoint Präsentationen vorgestellt haben, beginnt das Teilprojekt „Hopes and Fears“. Dazu haben die deutsche Lehrerin, ihre litauische Kollegin Regina Mikalauskiene, ihre slowenische Kollegin Mirjana Kalisnik und ihr finnischer Kollege Mikko Vahteristo gemeinsamen einen Fragebogen entwickelt. Hier geht es um Einstellungen, Werte, Zukunftshoffnungen und Zukunftsängste, wie beispielsweise die persönliche Bedeutung von Liebe, Freundschaft oder was ihre größten Ängste und Sorgen heute und in der Zukunft sind. Jeder Schüler füllt diesen Fragebogen aus und befragt seine Eltern und Großeltern zu ihrer Meinung. Danach diskutiert die Klasse die Antworten miteinander und stellt mit dem jeweiligen Lehrer eine „Summary“ der häufigsten Antworten zusammen. Diese Summaries werden im TwinSpace, der gemeinsamen Arbeitsumgebung auf www.etwinning.net, veröffentlicht. So können alle Partnerländer daran teilhaben und per E-Mail oder Chat Fragen und Antworten austauschen.

 

eTwinning macht den Austausch leicht

„eTwinning ist ein ausgesprochen nützliches Tool, um auf einfache Weise unsere Dokumente auszutauschen und miteinander zu kommunizieren“, berichtet Mollenhauer. „Zum Start unseres Comeniusprojektes haben wir uns noch DVDs zugeschickt. Seit unserem Projekt ‚Hopes and Fears’ haben wir eTwinning für uns als geschützten Arbeits- und Kommunikationsraum entdeckt. In Zukunft wollen wir auch die Eltern einbeziehen und an unseren Ergebnissen teilhaben lassen.“

 

Übereinstimmung in wesentlichen Lebensthemen

Als letzten Schritt haben die Schüler ihre eigene Auswertung zu „Hopes and Fears“ mit der eines der Partnerländer verglichen. Auch diese Ergebnisse stehen für alle Partner sichtbar im TwinSpace . Mollenhauer und ihre Kollegen haben zu Beginn des Projektes bereits vermutet, dass es zwar landestypische Unterschiede gibt, die Haltungen der Jugendlichen zu wesentlichen Themen des Lebens jedoch nicht voneinander abweichen. Genau dies bestätigt sich im Vergleich aller Partnerländer: Die größten Hoffnungen bestehen darin, eine Familie zu haben und einen gut bezahlten Job zu haben. Die größten Ängste darin, allein zu bleiben, ohne Arbeit oder ernsthaft krank zu sein.

 

Das Gespräch ist wichtig

Auf die Frage, wie die Schüler Haltungen und Meinungen verändern, meint die engagierte Lehrerin: „Das Gespräch ist wichtig. Erst im Austausch miteinander erkennen sie eigene und fremde Einstellungen als Produkt ihrer Sozialisation und lernen, eigene Haltungen zu hinterfragen und das Denken in Stereotypen zu vermeiden. Dabei verbessern sie auch ihre Sprachkenntnisse und erhöhen ihre Fähigkeiten zur interkulturellen Kommunikation.“ Deshalb nutzt sie jeden Anlass, um die Schüler untereinander in ihrer Klasse und mit den Partnern per E-Mail und Chat ins Gespräch zu bringen. Auf ihrer Wunschliste steht die Videokonferenz, die aus technischen Gründen derzeit nicht möglich ist.

 

 

Reflektions- und Reifeprozesse werden angestoßen

Was das Projekt in den Köpfen der Schüler anstößt, zeigt deutlich der Kommentar von Schülerin Juliane, 14 Jahre: „Mich hat es besonders überrascht, dass es so viele Parallelen zwischen uns und den Freunden im Ausland gibt.“ Ihre Mitschülerin Sophia, 14 Jahre, stellt fest, dass ihre Austauschpartner einen anderen "Lifestyle" und andere Gewohnheiten haben. Und dass sie und ihre Austauschpartnerin unterschiedliche Charaktere haben, sich jedoch sehr gut verstehen.

Mitunter ist es den Schülern auch noch nicht so klar, was sie eigentlich unterscheidet. „Ich denke im Großen und Ganzen sind wir doch alle sehr verschieden, aber dennoch könnte ich hier keinen Unterschied nennen“, meint der 14jährige Felix. Unabhängig von den Meinungen und Eindrücken der Schüler des Gymnasiums Oberursel, stößt das Projekt bei ihnen allen Reflektions- und Reifeprozesse an.

 

Schule wird zum „coolen Ort“

Das geht sogar soweit, dass Schüler Schule plötzlich als „coolen Ort“ erleben. Seit dem Besuch in Finnland hat auch Sophia grundsätzlich ihre Einstellung zur Schule verändert. Warum wird schnell klar, als Clara, 14, erzählt: „Alle Finnen, die wir kennen gelernt haben, waren richtig nett und haben uns ganz herzlich aufgenommen. Außerdem fand ich, dass die Schule durch das Herumlaufen ohne Schuhe, die niedrige Schülerzahl in den Klassen und die lässige Atmosphäre mehr einer großen Familie als einer Schule glich.“

Lehrerin Mollenhauer freut sich sehr darüber: „Das Projekt verändert das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern so, wie es unsere finnischen Nachbarn bereits vorleben: es wird lockerer und ist gleichzeitig von Respekt geprägt. Dieses Engagement, dieses Mitgehen aus eigenem Antrieb, selbst in ihrer Freizeit an der Erstellung einer Webpage zu arbeiten, das macht die Schüler restlos glücklich.“

 

Autorin: Bettina Zeidler

Mehr dazu:

Schülermeinungen zum Projekt (PDF)

Webseite zum Projekt 

 

Die Partnerschulen 

Gymnasium Oberursel

Isoniitun Koulu in Klaukkala, Finnland

Zemaiciu Kalvarija Secondary School in Plunge, Litauen

Srednja Zdravstvena Sola Juge Polak in Maribor, Slowenien

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