Projekt des Monats August 2008
Development by art and crafts – Europe comes together
Im Projekt „Development by art and crafts – Europe comes together!“ suchen die Alexander-von-Humboldt-Schule im bayerischen Goldkronach und die rumänische Margareta Sterian Art High School in Buzau nach künstlerischen Wegen der Zusammenarbeit. Dazu experimentieren die Schüler mit Fotografie, Malerei, Modellieren, Musik und Theater und tauschen ihre Ergebnisse über das Internet aus.
„Wir wollen die anderen nehmen, wie sie sind“, sagt Schulleiter Wolfgang Fischer, der an der Alexander-von-Humboldt-Schule Kunst, Musik und Informatik unterrichtet. „Wir müssen nicht alles verstehen und erklären. Wir hoffen, dass die anderen uns auch so annehmen.“ Seine Inspiration zu diesem Ansatz bezieht der deutsche Schulleiter aus der Erfahrung, die er fünf Jahre lang als Entwicklungshelfer in Botswana gesammelt hat. „In diesem Land nimmt man den anderen einfach so, wie er ist. Die Menschen hinterfragen nicht viel, sondern stellen eher ganz einfache Fragen, wie ‚Lebt ihr auf dem Land?’ oder ‚Hast du ein Haustier?’.“

Neugier befördert Kreativität und Offenheit
Fischer und seiner rumänischen Kollegin Nicoleta Nechita geht es deshalb in ihrem Kunstprojekt nicht um eingehende Analysen interkultureller Eigenarten, sondern vielmehr darum, die kindliche Neugier zu beflügeln. Denn Neugier ist Antrieb für Kreativität und Offenheit, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Ein wesentlicher Faktor, um mit der „Normalität des Fremden“ zu leben, wie Fischer es nennt.
Kunst soll international und grenzüberschreitend sein
“Wir wollen zeigen, dass Schüler unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Muttersprachen und mit einem sehr unterschiedlichen soziokulturellen Hintergrund zusammenarbeiten können“, fährt er fort. „Mit unserem Engagement bei eTwinning wollen wir die Schülerinnen und Schüler fit machen für neue ICT-Entwicklungen, verbunden mit einer grenzüberschreitenden Kommunikation, die das Fremde als Normalität deutlich werden lässt. Künstler reisten früher von Königshof zu Königshof, ohne Rücksicht auf Grenzen. Gefragt waren ihr Geschick und ihre Kreativität. Sprache und Nationalität hatten kaum eine Bedeutung. Kunst ist und soll auch heute international und grenzüberschreitend sein.“
Freiheit und Offenheit fördern die individuelle Kreativität
Damit die Schüler ihre individuelle Kreativität voll entfalten können, werden Freiheit und Offenheit im Projekt groß geschrieben: Die Wege der Zusammenarbeit sind offen und es gibt keine festen Regeln. Die Themen entwickeln die Lehrer oder die Schüler bringen eigene Vorschläge ein. Und manchmal ergibt sich ein Thema erst aus den Arbeiten. Kürzlich haben die rumänischen Schüler wunderbare farbige Masken aus Pappmarché gestaltet und Fotos im TwinSpace hochgeladen. Das wollen die deutschen Schüler nun auch ausprobieren. Auf diese Weise inspirieren sich die Schulen gegenseitig, übernehmen Ideen und arbeiten gemeinsam daran weiter. „Der Austausch über das Internet erschließt dabei noch nicht dagewesene Dimensionen, erweckt Neugier und führt zur gegenseitigen Befruchtung“, freut sich Fischer.
A fairy tale
Im Rahmen des Themas "Klimawandel" haben die Jugendlichen die Fotogalerie „A fairy tale...“ oder „Als es noch Autos gab“ kreiert, die sich mit der Zukunftsperspektive beschäftigt, wenn Autos mit Benzinmotoren der Geschichte angehören werden. Dort finden sich Fotos von Autocollagen in natürlicher Umgebung. Die rumänischen Beiträge folgen und sollen dann genau umgekehrt Fotos aus der Natur in oder vor Autos zeigen.
Straßenverkehr als Kunstform
Um den „Straßenverkehr in Deutschland“ für ihre Partnerschüler erlebbar zu machen, verpacken die Schüler diesen in einer Art „Medienkiste“. Vielfältige Aufgaben fallen dabei an: Internetrecherche, Malen, Fotografieren, Modellieren, Texten. Dann die Frage: „Wer kümmert sich um was?" So finden sich eigenständig Gruppen, die bestimmte Produkte erstellen. Der Computer kommt dann zum Einsatz, wenn es die Kinder für richtig halten. So nutzen die Schüler digitale Bildbearbeitungsprogramme, wie beispielsweise die Shareware GIMP, oder Textverarbeitungsprogramme, um kurze Texte und Bildunterschriften zu erstellen. Auf diese Weise füllen sich die selbst kreierten Rubriken im TwinSpace nach und nach mit Material. Danach tauschen sich die Schüler untereinander per E-Mail aus: „Was haltet ihr davon?“ und „Habt ihr Fragen?". Kunst ist eine alters-, grenz- und sprachübergreifende Kommunikation und bietet die Chance, ohne gemeinsame Sprache, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dass letztendlich die Nutzung der englischen Sprache so gut klappt, hatten die Partnerschulen vorher nicht gedacht. Und so tauschen sich die insgesamt 120 Schüler im Alter von 9 bis 18 Jahren nicht nur per Fotos ihrer Kunstobjekte, sondern auch per E-Mail über die Organisation ihres Unterrichts, über Materialien und Techniken aus.
Die Schüler organisieren und entscheiden selbst
Um Themen zu bearbeiten, organisieren sich die Kinder und Jugendlichen selbst. „Bei uns an der Schule gibt es vier verschiedene AGs zu unserem eTwinning-Projekt“, erzählt die 12-jährige Kasandra. „Da findet jeder etwas und es sind Schülerinnen von der 2. bis 6. Klasse beteiligt.“ Über die Auswahl ihrer Objekte, die sie letztendlich in den TwinSpace, ihre gemeinsame Arbeitsumgebung auf www.etwinning.net, laden, entscheiden die Schüler. Denn nur die schönsten gelangen dorthin. Jacqueline, 12 Jahre, meint dazu: „Ich arbeite gerne mit eTwinning, da ich dort meine Fotos und gemalten Bilder mit den rumänischen Schülerinnen austauschen kann.“
Schüler unterrichten Schüler in der Mediennutzung
Wolfgang Fischer will seine Schüler vor allem dazu befähigen, sich selbst zu trauen, Selbstbewusstsein zu gewinnen und fit im Umgang mit Medien zu werden. Ein Prinzip dabei ist das „Lernen durch Lehren“ oder kurz „LDL“. „Wir arbeiten seit geraumer Zeit mit der Universität Eichstätt zum Thema 'Internet und Präsentationskompetenz' zusammen: Schüler bearbeiten ein Thema selbstständig und besprechen dies mit der Lehrkraft. Nach einer gewissen Zeit stellen sie sich allein vor die Klasse und unterrichten ihr Thema. Der Effekt in der Klasse ist erstaunlich: Aufmerksamkeit und Motivation steigen immens, denn Schüler lernen auf Augenhöhe leichter. Sie passen genau auf, ob der 'Schülerlehrer' einen Fehler macht."
Vom Spiel zur Reise ins europäische Ausland
Das Projekt zeigt seine ersten Früchte. Julian, 9 Jahre, erzählt: „Am Anfang war es alles nicht so einfach. Ich habe zwar zu Hause einen Computer, aber damit habe ich nur gespielt. Jetzt kenne ich mich gut aus und weiß auch, wie das Internet funktioniert. Ich bastle gerne, fotografiere dann die Sachen und schicke sie meinen Freunden als E-Mail oder veröffentliche sie im TwinSpace.“ Die Schülerin Jacki, 11 Jahre ist ebenso begeistert: „Mit anderen etwas gemeinsam zu machen, über Grenzen hinweg, macht mir total Spaß. Ich möchte später auch im Ausland arbeiten.“
Autorin: Bettina Zeidler



