Projekt des Monats November 2007
Is all rubbish waste?
eTwinning macht den Umgang mit Hausmüll in Europa transparent
In ihrem Projekt „Is all rubbish waste?“ erheben deutsche und ungarische Schülerinnen und Schüler der Schmelzerwaldschule im saarländischen St. Ingbert und der Kalmar Laszlo in Budapest aktuelle Daten zur Müllverwertung in ihrer Umgebung.
Vor zwei Jahren startete Andreas Bertram, Lehrer für Mathematik-, Sport- und Kommunikationstechnik an der Schmelzerwaldschule, das eTwinning-Projekt „Is all rubbish waste?“ gemeinsam mit seiner ungarischen Kollegin Anna Marton von der Kalmar Laszlo. Bertrams Schülerinnen und Schüler waren damals in der achten Klasse. In Mathematik standen die Themen Statistik und das Verstehen von Diagrammen, Tabellen und Schaubildern auf dem Stundenplan. Anna Marton hatte die zündende Idee: statt stupide Autos zu zählen, sollten die Schüler eigenständig Daten zum Umgang mit dem Hausmüll in ihrer Umgebung erheben, diese auswerten und abschließend miteinander vergleichen.
Fächerübergreifender Unterricht für ein komplexes Thema
Der Zufall wollte es, dass das Thema "Abfall" gleich in mehreren Fächern auf dem Plan des Curriculums stand. Wenige Wochen zuvor hatten sich die Schüler bereits in Geographie mit Müllproblemen und Recyclingmethoden unter Umweltschutzaspekten beschäftigt. In Biologie und Chemie ging es nun um Hintergrundwissen zum Thema Müll, um die Luftbelastung aus biologischer Sicht sowie chemische Abläufe in der Natur und im Alltag. Und so konnte Andreas Bertram seine Kolleginnen Susanne Schröder (Erdkunde) und Ursula Wörner (Biologie und Chemie) für das Projekt gewinnen. Auch die Englischlehrerin Christiane Zens unterstützt das Projekt, schließlich ist Englisch Projektsprache. „Es ging uns darum, dass die Schüler verstehen, dass alles eine Verbindung hat und eine Kombination aus allem ist, was man im späteren Leben nutzen kann“, erklärt Andreas Bertram.
Von der Idee zur Umfrage
Zunächst haben die 30 Schülerinnen und Schüler im Englischunterricht den Interviewfragebogen ihrer ungarischen Partnerschüler übersetzt und überarbeitet. Jeder Schüler hat danach zehn bis 15 Personen in seiner Umgebung zwischen 14 und 70 Jahren befragt: Familie, Freunde, Nachbarn und Menschen auf der Straße. Auf diese Weise wollten sie erfahren, welche Meinung Menschen in ihrer Umgebung zur Entsorgung ihres Abfalls haben. Zu jeder Frage gab es mehrere Angaben, so dass sichtbar wurde, wer viel oder wenig recycelt. Tamara (16) meint dazu: „Ich fand es sehr spannend herauszufinden, wie hier in der Stadt die Leute zur Mülltrennung stehen.“
Diagramme spiegeln das Verhalten in Deutschland
„Nach den Interviews haben wir alle Daten und Rechnungen selbst erstellt“, erzählt Alexander (15). Ein Teil der Schüler hat dazu die Daten in Excellisten eingegeben und ausgewertet, ein anderer Teil hat daraus Diagramme erzeugt. Jill (15) hat diese Aufgabe besonders viel Spaß gemacht. Denn hier konnten die Schüler selbstständig die Medien nutzen. Darüber hinaus waren sie natürlich neugierig zu sehen, was dabei heraus kommen würde. Schließlich spiegelten die Diagramme das Verhalten ihrer unmittelbaren Umgebung in einem gesellschaftlich bedeutenden Thema wider. Tom (15): „Ich fand es spannend, wie viele Leute den Müll trennen und wie viele nicht".
... und in Ungarn
Inzwischen hatte auch die Schülergruppe aus Ungarn die Auswertung ihrer Daten abgeschlossen, so dass die Partnerschulen ihre Ergebnisse vergleichen konnten. In der Gegenüberstellung zeigte sich, dass das Umweltbewusstsein in Deutschland größer ist und mehr Menschen ihren Müll dem Recycling zuführen. Dies liegt unter anderem daran, dass in Ungarn erst vor fünf Jahren mit der Mülltrennung begonnen wurde. Außerdem haben in Deutschland Aufklärungskampagnen Früchte getragen und es sind genügend Container in leicht erreichbarer Distanz zu finden.
„Diese Gegenüberstellung hat für Gesprächsstoff unter den Schülern gesorgt“, erläutert Andreas Bertram. „Denn die Diagramme haben das Bewusstsein und Handeln in zwei Ländern Europas transparent gemacht. Dadurch ist den Schülern ihr eigenes Verhalten und das ihrer Mitbürger zur Müllentsorgung erst deutlich geworden.“ Abschließend haben sie die Daten auf einer gemeinsamen Website publiziert.
„Recycling“ für andere Klassen
Anna Marton und Andreas Bertram planen, gemeinsam mit ihren Schülern noch einmal eine Ausarbeitung ihres Projektes zu erstellen. Hier wollen sie alles zusammenfassen, was sie in der Klasse gemacht haben, um das Material für andere Klassen weiter zu nutzen. Dann natürlich in abgewandelter Form, entsprechend der technischen Entwicklung im Recycling und den medialen Möglichkeiten für ihren internationalen Austausch. In Zukunft würden sie sich gern noch mehr direkt mit den Partnerschülern austauschen. Der TwinSpace bietet dazu ja vielfältige Möglichkeiten und wird stets verbessert. Auch ist es denkbar, das Thema auf andere Fächer auszudehnen. Warum nicht Kunstobjekte aus Recyclingmaterial bauen?
Die Schüler lernen fächerverbindendes Denken
„Das Thema passte einfach wunderbar in unseren Unterricht“, fasst Andreas Bertram zusammen. „Und meine Schüler bekommen durch eTwinning einen realen Bezug zum Leben, ob sie nun Englisch lernen oder Tabellen und Diagramme in Mathematik erstellen oder in Biologie über die Luftbelastung sprechen. Sie erlernen auf diese Weise fächerverbindendes Denken und erkennen den Sinn hinter den Dingen. Dass eben alles miteinander zusammen-hängt.“
Autorin: Bettina Zeidler



