Projekt des Monats Oktober 2007
eTwiNNews: Neues aus Deutschland und Italien
Ein „E-Magazine“ unterstützt den Austausch der Schulen
Im Dezember 2006 haben die Bischöfliche Maria-Montessori-Gesamtschule in Krefeld und das „Istituto d’Istruzione Superiore R. Canudo“ in Gioia del Colle gemeinsam ihr erstes „E-Magazine“ veröffentlicht. Neben Präsentationen, MP3-Dateien, Foren und Chat ist dies für die 16- bis 17-jährigen Jugendlichen eine weitere Möglichkeit, um sich zu aktuellen Themen auszutauschen. Das Projekt wurde im Schuljahr 2006/2007 mit dem eTwinning-Qualitätssiegel ausgezeichnet.
Das Engagement der Bischöflichen Maria-Montessori-Gesamtschule in mehreren eTwinning-Projekten hat sich bereits ausgezahlt: Im letzten Jahr waren sie Preisträger des eTwinning-Camps 2006 auf Lanzarote und wurden bereits drei Mal mit dem eTwinning-Qualitätssiegel und attraktiven Hardware-Preisen belohnt. Die eTwinning-Redaktion sprach mit Michael Hamke über Ziele und Hintergründe seines letzten Projektes „E-Magazine: Ricciotto Canudo E Maria Montessori“ oder kurz der „eTwiNNews“.
eTwinning: Herr Hamke, welche Idee steht hinter dem E-Magazine?
Michael Hamke: Unser Kontakt mit der italienischen Partnerschule besteht seit März 2005. In unserem ersten Projekt haben wir uns über Mode und Lifestyle ausgetauscht. Dazu haben wir Word-Dokumente, MP3-Dateien und Präsentationen sowie den Chat, Foren und Skype-Konferenzen genutzt. Danach haben wir nach einer neuen Plattform gesucht, auf der wir unseren Austausch veröffentlichen können. Unsere Online-Zeitung ist eigentlich nur eine von mehreren Möglichkeiten, Informationen zu veröffentlichen.
eTwinning: Und welches pädagogische Ziel wollen Sie mit Ihrem neuen Projekt erreichen?
Michael Hamke: Meine italienische Kollegin Luisa Argenti und ich wollen unseren Schülerinnen und Schülern die kulturelle europäische Dimension näher bringen. In unmittelbarem Austausch mit Gleichaltrigen sollen sie erfahren, dass es jenseits ihres eigenen aktuellen Horizonts auch andere Lebensentwürfe gibt. Außerdem können sie auf diese Weise aktiv ihre Englisch-kenntnisse erproben und verbessern. Denn Englisch ist unsere Projektsprache.
eTwinning: Welchen Bezug hat das Projekt zum Curriculum?

Michael Hamke: In der Jahrgangsstufe 11 gibt es im Englischbuch mehrer e Texte über „Problems in the family“, darunter einige zum Thema „leaving home“. Als ich mit meinen Schülern darüber diskutierte, welche Gedanken sie dazu haben und was sie bewegt, meinte ein Schüler ‚Da könnten wir doch eigentlich die Italiener fragen, wie sie das sehen?’. Und so haben wir – inspiriert durch das Curriculum – den Austausch mit unserer Partnerschule fortgesetzt. Daraus ist eine lebhafte Diskussion in Chats und vor allem in Foren und im „E-Magazine“ entstanden.
eTwinning: Wie sieht das in der Praxis aus?
Michael Hamke: In meinem Englisch-Grundkurs haben wir pro Woche drei Stunden. Jedes Kursmitglied hat einen Beitrag zum Thema „leaving home“ geschrieben. Anschließend gab es eine Redaktionssitzung und wir haben gemeinsam die besten Texte ausgewählt. Wir haben danach die Texte korrigiert und online gestellt. Die italienischen Schüler haben ihre Texte zum gleichen Thema ebenfalls in den TwinSpace geladen. Diese Texte waren nur zum Teil korrigiert.
eTwinning: Haben die Jugendlichen während dieser Zeit aktiv miteinander kommuniziert?
Michael Hamke: Ja. Anfangs haben wir alle gleichzeitig gechattet. Nachher waren es nur noch je fünf Personen, der Übersicht halber. Jedoch waren die Chats zeitlich relativ schwierig zu koordinieren. Für uns hat sich das Forum im TwinSpace bewährt. Die Schüler haben einfach ihre Meinung zum Thema geschrieben und zur Diskussion gestellt.
eTwinning: Und wie haben Sie die Zeitung produziert?
Michael Hamke: Pierluigi, einer der damals 15-jährigen italienischen Schüler, ist sehr versiert im Umgang mit Medien. Er hat sich ein Layout ausgedacht und seinen Entwurf als pdf-Datei zwecks Diskussion ins Forum geladen. Danach hat er alle Texte, die bis dahin im TwinSpace waren, in das „E-Magazine“ eingebaut. Das fertige Produkt wurde dann auf einer Blogger-Seite veröffentlicht.
eTwinning: Sie behandeln in der Zeitung auch andere Themen als „leaving home“.
Michael Hamke: Das ist richtig. Unsere Online-Zeitung war zu Beginn noch ziemlich leer. Also haben wir auch andere Inhalte rein genommen, z. B. Neuigkeiten aus dem Schulleben und Berichte über unsere Schulsysteme mit ihren Vor- und Nachteilen. Als wir die Zeitung eigentlich schon abgeschlossen hatten, kam dann von den Italienern immer noch mehr Material zu regionalen Traditionen und Kochrezepten. Anreiz dazu war vor allem ein Schulfest, zu dem die italienischen Schüler die Zeitung in gedruckter Form verkauft haben.
eTwinning: Welches Thema hat Ihre Schüler besonders interessiert?
Michael Hamke: Unsere Schüler waren zum Beispiel brennend interessiert, als sie erfuhren, dass die italienischen Schüler streiken dürfen. Der Grund für die Streiks war, dass sich die italienischen Schüler von ihren Lehrern offensichtlich nicht für voll genommen fühlen. In unserer Schule ist das anders. Unsere Schüler haben viel mehr Mitspracherecht bei den Inhalten und bei der Gestaltung des Unterrichts. Doch der Gedanke, zu streiken, war für die Schüler schon reizvoll.
eTwinning: Und was hat das Projekt den Schülern gebracht?
Michael Hamke: Echte Kommunikation mit Menschen – quasi auf Augenhöhe – in einer Fremdsprache. Und neue Erkenntnisse, beispielsweise, dass Italiener nicht erst – überspitzt gesagt – mit 50 von Zuhause ausziehen. Der lange Aufenthalt in der Familie hat häufig zwingende finanzielle Gründe. Und im letzten Jahr während der Fußball-WM wurde zusätzlich unsere gegenseitige „Fairness“ auf die Probe gestellt – eine gute Übung.
eTwinning: Und was hat es Ihnen gebracht?
Michael Hamke: Ich habe sehr viel in diesem Projekt gelernt. Zum Beispiel, dass der Einsatz von Medien an sich gar nicht so motivierend für Jugendliche ist, wie wir es immer glauben. Denn Jugendliche nutzen diese Medien in ihrer Freizeit jeden Tag. Vielmehr ist es das Gefühl ‚Wir dürfen das auch hier im Unterricht!’ Und natürlich wollen die Schüler auch sehen, ob der Hamke es schafft, die Kiste, also unsere Schulrechner, zum Laufen zu bringen. Für mich persönlich ist es eine gute Erfahrung, auch Dinge anzugehen, von denen ich weiß, dass sich die Schüler da vielleicht besser auskennen als ich. So kann ich mir von den Schülern helfen lassen. Auch in unserer Schule hat sich etwas bewegt: Inzwischen sind selbst skeptische Kolleginnen und Kollegen neugierig geworden und nehmen an unserer internen Schulung zur Nutzung unserer SMARTBoards teil, die wir mit dem eTwinning-Qualitätssiegel gewonnen haben.
Autorin: Bettina Zeidler
Mehr dazu:
E-Magazine als PDF zum Download
Blogspot: eTwiNNews im Blog
Bischöfliche Maria-Montessori-Gesamtschule



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