Projekt des Monats Januar 2007
Social Crash - Soziale Probleme in Italien und Deutschland, betrachtet in einem eTwinning-Projekt
In einem gemeinsamen Filmprojekt setzen sich das Hans-Erlwein Gymnasium in Dresden und die italienische Partnerschule Istituto Virgilio Superiore Empoli mit sozialen Problemen junger Menschen auseinander. eTwinning dient ihnen dabei als gemeinsame Arbeitsplattform.
„Der Schüleraustausch mit Italien bestand schon vorher“ erzählt Gritje Inserra, Lehrerin für Deutsch und Italienisch sowie inhaltliche Koordinatorin des eTwinning-Projektes am Hans-Erlwein Gymnasium. „Doch ein Schüleraustausch dauert ja meist nur eine Woche. Dann ist man erstmal wieder weg. Man hat eine schöne Zeit und Erfahrungen, aber die sind schnell vorbei. Mit eTwinning haben wir die Chance, unsere Partnerschaft im Rahmen von Projektarbeit fortzuführen.“
Gemeinsam die Probleme Jugendlicher im „Haus Europa“ entdecken
In den Sommerferien 2005 haben die italienischen Partnerschüler mit ihrer Deutschlehrerin Bärbel Anders das Buch „Erich ist weg“ gelesen. Das handelt von den Problemen eines Jungen, der von zu Hause wegläuft. Damit war die Projektidee geboren: Es sollte etwas mit den Problemen Jugendlicher zu tun haben, außerdem sollten dazu ein Drehbuch und ein Film erstellt werden. „Wir wollen, dass sich junge Menschen mit sozialen Problemen aktiv auseinandersetzen und Lösungsstrategien entwickeln“, berichtet Kollege Klaus Thuß, der das eTwinning-Projekt initiiert hat und technisch betreut. „Außerdem wollen wir unsere Schülerinnen und Schüler an die praktische Anwendung von Fremdsprachen und Technik heranführen. Wir geben ihnen die Möglichkeit, selbst Unterschiede und Gemeinsamkeiten im „Haus Europa“ zu entdecken.“
Eine deutsch-italienische Filmproduktion entsteht – die Vorarbeit
Und so kam es, dass sich 24 italienische und zehn deutsche Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 Jahren an die Arbeit machten, einen eigenen deutsch-italienischen Film zu produzieren. Dazu haben sie sich zunächst mit den Problemen Jugendlicher auseinandergesetzt. Während der Recherchearbeit haben die Partnerschulen darauf geachtet, überwiegend gleiche Schwerpunkte in Bezug auf das jeweilige Heimatland zu bearbeiten, um so Ähnlichkeiten und Unterschiede zu erkennen. Zum Beispiel das Thema Drogen. Wie geht man damit um und wo kann man Hilfe holen? Freunde, Geschwister, Eltern, Lehrkräfte, Schulpsychologen oder Beratungslehrer wurden interviewt, Artikel geschrieben, Texte ins Italienische und Deutsche übersetzt und auf die gemeinsame Homepage gestellt. Außerdem hat das deutsche Team einen Bericht und eine Videodokumentation über den Besuch eines Jugendzentrums in Dresden erstellt, während die italienischen Freunde über das Frauengefängnis in Empoli berichtet haben.
Eine deutsch-italienische Filmproduktion entsteht – das Drehbuch
Das Drehbuch haben die Partnerklassen gemeinsam erstellt. Dazu hat die italienische Schule einen groben Handlungsverlauf entwickelt und die ersten Szenen geschrieben. Die Deutschen haben daraufhin Feedback gegeben und die Szenen dort ergänzt oder weiter geschrieben, wo es nötig erschien. Es ist die Geschichte von Marco aus Italien und Julia aus Deutschland, die sich bei einem Schüleraustausch kennen und lieben lernen. Marco ist drogenabhängig und Julia möchte ihm helfen, davon loszukommen. Er verspricht ihr, „clean“ zu bleiben, doch hält nicht sein Wort. So kommt es zu Konflikten. Letztendlich siegt jedoch die Liebe.
Eine deutsch-italienische Filmproduktion entsteht – die Produktion
Im Rahmen eines ersten Schüleraustauschs in Dresden konnten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam das Drehbuch fortschreiben und die ersten Szenen, die in Deutschland spielen, drehen. Danach entstanden einige Szenen in Italien und wurden nach Deutschland geschickt. Der zweite Teil der Handlung, der in Italien spielt, wurde beim Gegenbesuch in Empoli fertig gedreht. Danach begann die aufwändige und langwierige Arbeit des Filmschneidens. Das haben die deutschen Schülerinnen und Schüler übernommen. Der fertige Film wurde mit Musik unterlegt, ein Vor- und Nachspann hinzugefügt und dann auf den Server zum Herunterladen gestellt. „Das Drehen und Schneiden war sehr viel Arbeit. Denn unsere Schülerinnen und Schüler besitzen zwar Grundkenntnisse einiger elektronischen Werkzeuge, kennen jedoch häufig nicht deren professionelle Anwendung“, erklärt Klaus Thuß. „Diese mussten sie sich eigenständig erarbeiten. Softwareprodukte mussten zueinander passen, Dateitypen umgewandelt werden.“
Mit dem Internet bekommt das Lernen eine ganz neue Dimension
Im Projektverlauf haben die Partnerschulen viele Informationen ausgetauscht. Dazu haben sie alle Artikel, Fotos, Teilszenen, Drehbuchentwürfe, die Endfassung des Drehbuchs sowie eine umfassende Dokumentation der unterschiedlichen Stadien des Projekts in den TwinSpace, die persönliche Arbeitsumgebung auf www.etwinning.net, hochgeladen und eine gemeinsame Homepage erstellt. Auch andere Werkzeuge wie Chat, Forum und Skype kamen zum Einsatz.
„Besonders spannend fanden wir es, mit den Italienern über das Internet zu reden, sich online zu unterhalten und ein ganzes Projekt zu organisieren. Mit dem Internet bekommt das Lernen eine ganz neue und andere Dimension. Im TwinSpace haben wir nach und nach die vielen tollen Nutzungsmöglichkeiten entdeckt, und schließlich versucht anzuwenden“, erzählen die Schülerinnen Mandy und Andrea. „Unsere Erfahrungen im strukturierten Umgang mit der eTwinning-Arbeitsplattform und im praktischen Einsatz verschiedener Werkzeuge können wir sehr gut für weitere Projekte nutzen“, ergänzt Klaus Thuß.
Sie würden es immer wieder machen
Bei einer Videokonferenz im Dezember 2006 haben beide Schulklassen das gemeinsame Projekt noch einmal reflektiert. Die Partner sind sich einig, dass alle viel gewonnen haben: Verantwortungsbewusstsein, die Fähigkeit auf Fragen und Vorschläge der anderen einzugehen und gemeinschaftlich zu entscheiden, welche Filmausschnitte drin bleiben. Auch die unterschiedliche Arbeitsweise wurde erkannt: Ingesamt schreiben die Italiener mehr und haben in der filmischen Darstellung einen Hang zum Dramatischen. „Die Arbeit am Projekt hat wesentlich dazu beigetragen, beide Kulturen besser zu verstehen und unterschiedliche Problemlösungsprozesse kennenzulernen“, sagt Gritje Inserra. „Und nicht zu vergessen der Enthusiasmus der Schülerinnen und Schüler: Als der Film fertig war, waren sie einfach stolz und glücklich. Und sie würden es trotz zusätzlicher Arbeit in ihrer Freizeit immer wieder machen.“
Autorin: Bettina Zeidler
Mehr dazu:
Projekthomepage Social Crash
TwinSpace des Projekts
Homepage Hans-Erlwein Gymnasium
Homepage der italienischen Partnerschule




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