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Das Ruhrgebiet grüsst Tallinn mit eTwinning

Kulturhauptstadt 2010

 

Zwei Lehrerinnen und zwölf angehende Erzieher des Sophie-Scholl-Berufskollegs in Duisburg haben die Kulturmetropole „Ruhr 2010“ als Leitthema ihres eTwinning-Projekts aufgegriffen. Im September reiste die Gruppe zu ihrer Partnerschule nach Estland. Im Gepäck: ein Lehrkonzept für „Deutsch als Fremdsprache“.

 

"Estland ist eine Reise wert“, sagt Rabea. So wie der 18-jährigen Schülerin geht es den anderen elf Schülern nach dem Besuch ihrer eTwining-Partnerschule. Die Gruppe hat gemeinsam mit ihren Lehrerinnen Andrea Peltis und Isabella Sliwka das eTwinning-Projekt "Das Ruhrgebiet grüßt Tallinn“ mit der estischen Partnerschule Tabasalu Ühisgümnaasium in der Gemeinde Harku bei Tallinn, auf die Beine gestellt. Neben dem Leitthema, Kulturhauptstadt, ist für die angehenden Erzieher im Alter zwischen 17 und 18 Jahren vor allem wichtig, ein pädagogisches Konzept für Deutsch als Fremdsprache“ zu entwickeln.

 

Konzept für "Deutsch als Fremdsprache"

Die Schüler der estnischen Partnerschule sind im Durchschnitt vier bis fünf Jahre jünger als ihre deutschen Partnerschüler. Während die meisten eTwinning-Lehrer einen Altersunterschied der Partnerschüler als hinderlich betrachten, ist das bei diesem Projekt gewollt. Denn die angehenden deutschen Erzieher können schon einmal die Rolle des Lehrenden einnehmen und ihren deutschlernenden estnischen Partnerschülern mit eigens entwickelten Ideen die deutsche Sprache näher bringen. "Wir haben ein Lied aufgeführt, ein Lied über Frösche“, sagt Jana. "Und ein Bilderbuch für die Kinder geschrieben und gemalt. Dazu haben wir mit Handpuppen die Geschichte nachgespielt, die wir auf Deutsch erzählt haben." Für ihre Mitschülerin Rabea ist klar, dass der Austausch in Tallinn zeigt, wie gut das spielerische Lernen funktioniert. Deutsch sei eine schwierige Sprache, sagt sie, und wenn man so klein sei, brauche man den Spaß. „In einer englischen Schule habe ich allerdings auch gesehen, dass Schüler gut mit Fragen und Beschreibungen Fremdsprachen lernen, so Rabea. "Jetzt bin ich im Zwiespalt, was besser ist“ ergänzt sie.

 

Exzellente Schulausstattung in Estland

Welches Konzept das Beste ist, kann nach einem Besuch nicht geklärt werden, aber für die Duisburger ist das Projektziel ein pädagogisches Konzept für "Deutsch als Fremdsprache“ auf Basis ihrer Erfahrungen in Estland zu erstellen. In Harku haben sie Lehr-Erfahrung gesammelt und für die meisten war es der erste Besuch eines osteuropäischen Landes. Besonders beeindruckt ist Mario, der als einziger der Gruppe zum Freizeitsportler ausgebildet wird, von der Sportausstattung der Schule. "Die Turnhallen sind weit aus besser als ich dachte und teilweise auch besser als in Deutschland,“ erzählt er. Ähnlich beeindruckt ist die ganze Gruppe von der technischen Schulausstattung. „Es ist eine digitale moderne Schule“, sagt Andrea Peltis, die Projektlehrerin. „Es gibt keine Klassenbücher mehr, alle Daten werden nur noch computertechnisch erfasst. Im Foyer der Schule steht ein LCD-Bildschirm, auf dem alle Unterrichtstunden aufgelistet sind. Und die Lehrkräfte haben – ähnlich wie in den USA – ihr Klassenzimmer, in dem die Schüler zu den Unterrichtsstunden kommen.“

 

Peltis, die am Sophie-Scholl-Berufskolleg Englisch unterrichtet, macht bereits das zweite eTwinning-Projekt mit einer osteuropäischen Schule. "Ich habe schon bei der eTwinning-Arbeit mit Rumänien gemerkt, dass die ehemaligen osteuropäischen Länder weiter sind mit der Technik als man allgemein glaubt.“

 

Ihre Kollegin Isabella Sliwka, die an der Schule Leiterin für die Europaarbeit ist, glaubt auch den Grund für diese High-Tech-Bildung zu kennen. "Die ehemaligen Ostblockstaaten sind vor 20 Jahren direkt in die digitale Welt eingestiegen. Das ist ein großer Vorteil für das Bildungssystem in den Ländern.“

 

Überwältigende Gastfreundschaft

Neben dem Bildungskonzept der Duisburger und der beeindruckenden Schulausstattung in Estland, haben die zwölf Schüler und ihre Lehrerinnen aber auch viele kulturelle Eindrücke gewonnen. Hielt sich vor der Reise bei einigen noch ein Vorurteil, dass Osteuropäer eher distanziert und kalt seien, war dieses spätestens in den Gastfamilien restlos ausgeräumt. "Die grenzenlose Gastfreundschaft war überwältigend,“ sagt Jana. “Meine Gastfamilie hat versucht, mir alles zu ermöglichen, obwohl die Mutter berufstätig war. Zum Abschied habe ich ein Kleid geschenkt bekommen, das mir im Schaufenster so gut gefallen hat."

 

Und obwohl der Besuch schon ein paar Monate her ist, steht Jana immer noch mit ihrer Gastfamilie in Kontakt. „Manchmal bekomme ich von verschiedenen Familienmitgliedern an einem Tag drei Unterschiedliche Nachrichten auf Facebook. 'Jana, wir vermissen dich sehr’ steht dann da.“ Mitte Dezember werden Jana und ihre Mitschüler die Esten wieder sehen. Die Klasse kommt für eine Woche nach Duisburg. Neben der Einladung in den Düsseldorfer Landtag bei einem Abgeordneten, steht auch eine symbolische Stabsübergabe im Duisburger Rathaus an die estnischen Schulvertreter auf der Agenda. Denn ab Januar heißt es: Kulturhauptstadt 2011: Tallinn!

 

Projekte des Sophie-Scholl-Berufskolleg, Duisburg

 

Autorin und Fotografin: Priya Palsule-Desai

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