Drüber gesprochen: eTwinning in Berlin
Nikolai Neufert ist offizieller Ansprechpartner für „eTwinning“ in Berlin. Als Oberschulrat und Referent für den IT-Einsatz im Schulbereich ist er mit der Umsetzung des „eEducation Berlin Masterplan“ betraut, der unter seiner Federführung entstand und der im Herbst 2005 in Berlin veröffentlicht wurde. Eines der neun Leitprojekte des Berliner „Masterplan“ ist eTwinning.
Herr Neufert, wie ist eigentlich Ihre Einstellung zu Europa?
Seit über sechzig Jahren leben wir in Europa in Frieden miteinander, das ist ein großer Gewinn. Ein geeintes, friedliches Europa, in dem man ohne Pass und Visum reisen kann, in dem man mit einer Währung bezahlen kann, das wurde erreicht, und ich halte das für einen großen politischen Erfolg.
Hatten Sie eigene interkulturelle Auslandserfahrungen, die Sie besonders beeindruckt haben?
Ich bin Mitte der sechziger Jahre als Schüler mit meiner zwölften Klasse für vier Wochen nach Frankreich gefahren, in die Pyrenäen. Es war wunderschön. Das Land und die Menschen haben mich stark beeindruckt. Danach bin ich durch Zufall auf Tucholskys „Pyrenäenbuch“ gestoßen, das er 1923 geschrieben hat. Nach meiner Ansicht ist dieses Buch ein Plädoyer für Europa. Sicher, Tucholsky würde auch heute vieles kritisch sehen, aber es würde ihn gewiss mit Genugtuung erfüllen, wenn er sähe, dass wir mit der friedlichen Einigung Europas auf einem guten Weg sind.
Warum engagieren Sie sich so stark für das EU-Programm „eTwinning“?
„eTwinning ist ein multidimensionales Medienprojekt, das sowohl den europäischen Gedanken, als auch das kollaborative Arbeiten im Unterricht und die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu vertiefen hilft. Der Erfolg von „eTwinning“ bedeutet einen großen Schritt in Richtung „Berliner Schule 2.0“, wie sie der „Masterplan“ als Ziel intendiert.
In Berlin ist „eTwinning“ sehr erfolgreich. 12% der Berliner Schulen führen „eTwinning“-Projekte durch. Die Hauptstadt stellt in diesem Jahr gleich sechs Qualitätssiegel-Schulen, so viele wie kein anderes Bundesland. Wie erklärt sich dieser nicht nur quantitative, sondern auch qualitative Erfolg?
Es ist zum einen gelungen, die Berliner Lehrerinnen und Lehrer für die Aktion „eTwinning“ zu begeistern, gleichzeitig unterstützt die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung in Berlin die Schulen, die sich an „eTwinning“ beteiligen. Die Wichtigkeit von „eTwinning“ für Berlin und die Berliner Schulen wird dadurch unterstrichen, dass die Berliner Bildungsverwaltung seit 2006 jedes Schuljahr zum „eTwinning-Schuljahr in Berlin“ erklärt hat.
Was ist aus Ihrer Sicht derzeit die besondere Herausforderung in der Schulpolitik Berlins?
Berlin integriert derzeit sein gegliedertes Oberschulsystem. Damit ist das Abitur für jeden Schüler und für jede Schülerin noch leichter möglich. Auf dem Gymnasium kann das Abitur „classic“ nach zwölf Jahren abgelegt werden. Auf der künftigen Sekundarschule haben die Schülerinnen und Schüler dafür dreizehn Jahre Zeit, wobei ihnen aber auch die Option offen steht, die Schule mit dem Mittleren Schulabschluss zu verlassen.
Aufbau und Entwicklung von „eTwinning“ in Berlin: gibt es spezielle Rahmenbedingungen, die es zu beachten gilt?
Berlin hat neben den beiden Landesmoderatoren auch noch einen eTwinning-Projektleiter eingesetzt, der das Netzwerk der eTwinning-Schulen koordiniert. Außerdem gibt die Berliner Europabeauftragte gemeinsam mit der Bildungsverwaltung regelmäßig den „EU-Newsletter für Berliner Schulen“ mit dem Titel „Europa in der Schule“ heraus. Darin geben wir den Berliner eTwinning-Schulen die Möglichkeit, ihr Projekt vorzustellen und gleichzeitig für die eigene Schule zu werben.
Wie sieht die Zukunft von „eTwinning“ in Berlin aus?
Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, weitere Schulen für die Teilnahme an „eTwinning“ zu begeistern, damit wir den Anteil der Berliner Schulen, die im Rahmen dieser Aktion sehr hochwertige Unterrichtsprojekte durchführen, steigern können. Diese Bemühungen werden durch die Möglichkeiten des „Mitmach-Web 2.0“ weiter gefördert. Schön wäre es, wenn bei unseren Schülerinnen und Schülern durch den Wunsch, Teil eines europaweiten Sozialen Netzwerks zu sein, auch die Bereitschaft zum Lernen von Fremdsprachen steigen würde.
Herr Neufert, noch drei kurze Fragen zum Schluss:
Warum sollten Lehrkräfte bei „eTwinning“ mitmachen?
Weil es einfach Spaß macht, sich europaweit über das Internet über seine eigenen Projekte auszutauschen.
Das Beste bei „eTwinning“?
Die Faszination vernetzter Kommunikation.
Ihr schönster „eTwinning“-Moment?
Jedes Mal, wenn ich erlebe, wie Schülerinnen und Schüler ihre Projekte vortragen, und wenn ich sehe, wie beispielsweise Drittklässler ganz selbstverständlich in Europa und im Internet zuhause sind, dann weiß ich, dass sich alle Mühe gelohnt hat.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Neufert!
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