Schul-Highlight NRW: Köln trifft Barcelona - Fremdsprachenlernen hautnah
Die Willy-Brandt-Gesamtschule ist ein riesiges Gebäude aus den 70iger Jahren und liegt in einem Randbezirk von Köln. Über 50% der etwa 1200 Schülerinnen und Schüler haben einen Migrationshintergrund. Sie kommen aus der Türkei, aus Italien oder Osteuropa und vielen anderen Ländern. eTwinning oder andere internetgestützte Partnerschaften und Schulprojekte sind für die meisten absolutes Neuland. Auch die Jugendlichen der 9. Klasse waren eine buntgemischte Gruppe mit wenig Erfahrungen in der Medienarbeit als sie im Jahr 2008 mit ihrer Lehrerin Jutta Bräunig und ihrem beeindruckenden Projekt „European Teenagers“ den Grundstein für eine Schulpartnerschaft mit einer spanischen Schule legten, Ende offen….
Weniger ist oft mehr: Wenig Konzept, viel Gefühl
Ihr Englisch verbessern. Das war der Hauptgrund für Büsra und Jennifer, mittlerweile beide 16 Jahre alt, als sie sich im vergangenen Schuljahr im Wahlpflichtbereich II für Englisch International entschieden. Entschieden hatte sich auch Jutta Bräunig, die den Kurs leitete. Ich selbst bin alles andere als eine Computerexpertin, aber ich interessiere mich für Computerarbeit mit den Schülern und wollte eTwinning unbedingt ausprobieren“, sagt die Englisch- und Kunstlehrerin der Sekundarstufe I und II, die auch die Kooperation der Willy-Brandt-Gesamtschule mit einer englischen Schule pflegt.
Experten sind auch Büsra, Jenny und ihre Klassenkameraden nicht. Aber sie haben erkannt, dass eTwinning etwas anders ist, als ‚normaler’ Unterricht. Nachdem die spanische Partnerschule gefunden, und der erste Kontakt der beiden Englischlehrerinnen über die Partnersuche auf der Plattform www.eTwinning.net angebahnt war, konnte es losgehen. „Wir haben wenig Konzept gehabt und uns stattdessen vorgenommen, dass wir die Schüler in den Prozess mit einbeziehen und die Dinge sich entwickeln lassen.“ Auf diese Weise ist gemeinsam mit den spanischen Schülern eine sehr schöne gemeinsame Homepage entstanden, auf der neben den vielen Themen der „European Teenagers“ auch ein Quiz über ihre Schulen, ihr gemeinsamer Chat und viele Bilder zu sehen sind.
Englisch ist gar nicht so schwer – Erfolge auch für schwächere Schüler
„Englisch mache ich für die Schule, später im Leben brauche ich das nicht mehr“, war anfangs die Einstellung vieler in ihrem eTwinning Kurs, erzählt Jutta Bräunig. Doch nachdem sie zahlreiche E-Mails geschrieben, sich über ihre Schulen ausgetauscht und an gemeinsam interessanten Themen wie Musik oder Fußball gearbeitet hatten, merkten die Schüler der Willy-Brandt- Gesamtschule, dass es viele Gemeinsamkeiten mit ihren spanischen Partnerschülern
gibt. „Die sind überhaupt nicht anders, die sind genauso wie wir“, sagt Jennifer, die italienische Wurzeln hat. Weil sie neue Freunde gefunden hatten, haben sie völlig vergessen, dass sie dabei Englisch gelernt haben. „Die tollste Erfahrung für die Schüler bei eTwinning war: Sie haben gemerkt, dass es durchaus normal sein kann mit anderen auf Englisch zu kommunizieren“, freut sich Jutta Bräunig. Gefragt nach ihrem schönsten Erlebnis während des eTwinning-Projekts sagt sie: „Auf einmal habe ich gespürt, dass die Schüler wirklich mit Interesse dabei sind. Zu sehen, dass plötzlich auch Grundkursschüler Erfolge haben und stolz auf ihre sprachlichen Leistungen sind, das hat sehr viel Spaß gemacht.“
Alle auf den gleichen Stand: eTwinning vorbereiten
Anfangs war es nicht so leicht, die Voraussetzungen für den Projektstart mit der spanischen Partnerschule zu schaffen. „Manchmal waren das einfache, grundlegende Dinge, die den Jugendlichen schwer fielen, wie die Disziplin Passwörter zu behalten oder Dokumenten einen passenden Namen geben, so dass man sie wieder finden kann“, erinnert sich Jutta Bräunig. Deshalb hat sie sich für die „European Teenagers“ auch ein ganzes Schuljahr Zeit genommen. „Die Arbeit mit der Plattform ist für die Schüler völlig neu. Sich dort mit System zu orientieren und selbstständig zu arbeiten“, für die meisten eine echte Herausforderung. Doch im Rahmen des eTwinnig-Projekts begannen die Schüler immer selbstständiger zu arbeiten. „Sogar zu Hause“, betont die Lehrerin, „wo der Computer meist doch nur zum Chatten genutzt wird.“
Und die Ergebnisse können sich sehen lassen. eTwinning war für Jutta Bräunig und ihren Kurs genau das Richtige: „Die Partnersuche bei eTwinning ist ein echter Gewinn für Schulen. Ich bin dankbar, dass es einem so leicht gemacht wird, mithilfe einer Plattform beispielsweise eine eigene Webseite zu erstellen. Der Effekt für die Schüler ist einfach toll, wenn sie ihre Ergebnisse darstellen und in dieser Form sehen können.“
Weiter geht’s im nächsten Schuljahr: eTwinning als Teil des Wahlfachs Englisch International
Obwohl die erfahrenen „European Teenagers“ wie Büsra und Jennifer mittlerweile ihren Abschlüssen entgegenfiebern und ihr Projekt beendet ist, die Partnerschaft mit der spanischen Schule ist geblieben. In diesem Schuljahr bereitet Jutta Bräunig die 8. Klasse schon einen Jahrgang vorher auf die Arbeit mit eTwinning vor. Für sie hat sich mit eTwinning eine gute Möglichkeit ergeben, die neue Partnerschaft und die Zusammenarbeit mit der spanischen Kollegin weiter auszubauen. In ihren Wahlfachkursen Englisch International wird sie eTwinning als festen Bestandteil einbauen, denn: „Die meisten unserer Schüler haben keine Kontakte ins Ausland. Abgesehen vom Besuch des Heimatlandes in den Ferien, gibt es nur wenige, die schon einmal mit ihren Eltern im Ausland waren. Wenn doch, dann gibt es kaum Begegnungen mit einheimischen Jugendlichen und das macht einen ungeheuren Reiz bei eTwinning aus.“
Mehr dazu:
Homepage der European Teenagers (Die Seite ist leider nicht mehr öffentlich verfügbar)

