eTwinning in Brandenburg
Ein Fenster in die Welt öffnen
Dr. Michael Kaden ist offizieller Ansprechpartner für eTwinning in Brandenburg. Als Referent für Multimedia im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport setzt er sich dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für eTwinning im Land stimmen. Gleichzeitig koordiniert er die Medienentwicklungsplanung für Brandenburger Schulen, die gute Voraussetzungen für eine wirkungsvolle medienpädagogische Praxis schafft. Ihm gefällt an eTwinning, dass es ohne großen Aufwand fächerübergreifendes Arbeiten, Teamgeist und Horizonterweiterung fördert.
|
eTwinning: |
Welche Aufgaben sehen Sie als offizieller Ansprechpartner im Kultusministerium für eTwinning in Brandenburg? |
|
Dr. Kaden: |
Die Aufgaben liegen in erster Linie auf der steuernden und koordinierenden Ebene. Initiativen wie eTwinning müssen eingebettet werden in die besonderen bildungspolitischen Rahmenbedingungen im Land. Ich biete Unterstützung an für diejenigen, die an den Schulen aktiv Projekte betreiben oder als Moderatoren das Projekt unterstützen. |
|
eTwinning: |
Wo sehen Sie die Verbindung zwischen eTwinning und der Medienentwicklungsplanung? |
|
Dr. Kaden: |
Die Medienentwicklungsplanung, kurz MEP, ist weniger ein technischer Ansatz, sondern geht davon aus, dass die Mediennutzung vor allem pädagogischen Zielstellungen folgen muss. Aufgrund der gesetzlichen Zuständigkeiten bietet es sich an, dass Schule, Schulträger und Mitwirkungsgremien zusammenarbeiten und gemeinsam vereinbaren, in welchem Umfang und wie Medien eingesetzt werden sollen. Im Zentrum dieses Planungsprozesses steht das MEP-Team. Wenn man dabei eTwinning als Baustein einbinden kann, ist damit auch eine gewisse Qualität garantiert bei der Umsetzung. |
|
eTwinning: |
Wer trägt alles zum Erfolg von eTwinning in Brandenburg bei? |
|
Dr. Kaden: |
Alle müssen mit an Bord. Und an einigen erfolgreichen Schulen haben wir festgestellt, wie das Projekt ins kommunale Umfeld ausstrahlt, wenn in der Lokalpresse berichtet wird, welche Kontakte zu anderen europäischen Schulen bestehen. Das sind Multiplikatoreneffekte, die Bildung gut tun. Zusätzlich haben wir mit dem EFRE-Förderprogramm aus dem Europäischen Strukturfonds Investivmittel zur Verfügung, die kofinanziert vom Schulträger, in die Medienausstattung von Schulen gehen. |
|
eTwinning: |
Diese Mittel sind sicherlich ein großer Anreiz für Schulen? |
|
Dr. Kaden: |
Wir hatten im November eine Auftaktveranstaltung hier in der Staatskanzlei, die war sehr gut besucht mit über 200 Teilnehmern. Es war eine relativ große und lebendige Veranstaltung. Viele Schulträger, mit denen wir ja engen Kontakt pflegen, bereiten jetzt die Antragstellung vor. Dieses Programm ist speziell für Schulen mit gymnasialer Oberstufe. Für die anderen Schulen ist eine Medienentwicklungsplanung auch sinnvoll, aber zur Umsetzung müssten diese Schulen andere Fördermöglichkeiten nutzen. |
|
eTwinning: |
Welche Rolle spielt eTwinning in der Fortbildung? |
|
Dr. Kaden: |
Wenn man sich an MEP beteiligt, muss man sich ja auch Gedanken um Fortbildungen machen und es ist eine Aufforderung zu einer intelligenten Personalentwicklung. Gerade für Projekte wie eTwinning benötigt man ja eine Vielzahl an Kompetenzen, man benötigt Fachkompetenz, Medienkompetenz, Methodenkompetenz, das geht alles zusammen, und muss gleichzeitig verfügbar sein. Und da kann man mit Fortbildungen eine gute Basis legen, damit sich solche Projekte auch gut entfalten können. |
|
eTwinning: |
Jedes Bundesland ist ja auch unterschiedlich, was sind in Brandenburg die besonderen Herausforderungen? |
|
Dr. Kaden: |
Wir haben sinkende Schülerzahlen, aber lokal im Verdichtungsraum um Berlin beobachten wir das Gegenteil. Und das ist nicht leicht zu steuern. In einigen Regionen führte die demographische Entwicklung zu Schulschließungen. Da klärt sich jetzt der Himmel und es gibt wieder mehr Luft, um inhaltliche Themen voran zu bringen. Eine besondere Situation für Brandenburg ist die Nachbarschaft mit Polen, das ist ein Bereich, wo Kontakte und kulturelle Prozesse entwickelt werden können, und da kann eTwinning auch einen Beitrag leisten. So haben wir 2007 mit Schulen ans Netz ein eTwinning-Kontaktseminar durchgeführt, dass gleichzeitig in Slubice und Frankfurt stattfand, da wurde Europa auch ganz sinnlich erfahrbar. Viele Dinge sind jetzt im Fluss. Wir haben ja auch Schüler aus Polen, die in Schulen in Brandenburg unterrichtet werden, und in diesem Kontext bieten eTwinning-Projekte zusätzliche Möglichkeiten. |
|
eTwinning: |
Welche Rolle spielt interkulturelles Lernen bei der Schulentwicklungsplanung? |
|
Dr. Kaden |
Wir haben die besondere Situation in Brandenburg, dass der Anteil von Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund vergleichsweise gering ist. In diesem Sinne ist eTwinning noch einmal besonders interessant als „Fenster in die Welt“ oder als Möglichkeit, sich mit anderen Kulturen auseinander zu setzen. |
|
eTwinning: |
Wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf ? |
|
Dr. Kaden: |
Kommunikation über das Internet hat natürlich auch etwas mit dem Zugang zu tun. Wo Breitbandzugänge zur Verfügung stehen, ist es schnell ganz selbst-verständlich, dass man komfortabel über das Internet projektbezogen mit einer anderen Schule kommuniziert. Da wo Breitband nicht zur Verfügung steht und das ist noch in einigen Regionen hier im Land so, ist das natürlich ein Hindernis. Wenn dieser Flaschenhals beseitigt werden könnte, wären wir, was die Akzeptanz von eTwining betrifft, auch schon einen Schritt weiter. |
|
eTwinning: |
Was war Ihr schönstes eTwinning-Erlebnis? |
|
Dr. Kaden: |
Wir hatten letztes Jahr erstmalig die Verleihung des Qualitätssiegels. Es war toll, wie die Schülerinnen und Schüler vor der Presse ihre eTwinning-Erfahrungen präsentiert und beschrieben haben. Das ist so ein Moment, der einen berührt. Es schließt sich ein Kreis und man spürt, dass es Sinn und Spaß macht, für diese Sache zu arbeiten. |
Das Interview führte Andrea Lummert.
Mehr dazu:
Medienentwicklungsplanung im Land Brandenburg
Praxisbericht: eTwinning am Friedrich-Gymnasium in Luckenwalde

